ZUSCHAUERFRAGEN

Gymnasialtag des Philologenverbandes Nordrhein-Westfalen

 

Antworten der Schulexpertinnen und -experten von CDU, FDP, SPD und Grünen auf offengebliebene Fragen

    Angenommen Ihre Partei stellte in der nächsten Legislaturperiode die Leitung des Schulministeriums: Bleibt es bei der Möglichkeit, Kinder am Ende der Erprobungsstufe Klasse 6 begabungsgerecht auf andere Schulformen zu überweisen?

    Martin Sträßer, CDU: Durchlässigkeit zwischen den Systemen ist uns wichtig. Auf die individuelle Entwicklung der Schülerinnen und Schüler muss reagiert werden können, um eine adäquate Förderung an der geeigneten Schulform zu ermöglichen und zu dem entsprechenden Bildungsabschluss führen zu können. Hilfreich dafür ist auch eine frühzeitige und intensive Begleitung und Beratung beim Übergang zwischen Grundschule und weiterführender Schule.

    Martina Hannen, FDP:Aufgrund des aktuellen und zukünftigen Status der Grundschulempfehlungen, ist es aus meiner Sicht zwingend erforderlich das Instrument der begabungsgerechten Überweisung auf andere Schulformen am Ende der Erprobungsstufe beizubehalten.

    Jochen Ott, SPD: Die Erprobungsstufe dient den Schüler:innen als Zeit des Ankommens am Gymnasium. Sie lernen die Fächer, die Lernangebote, sowie die Unterrichtsmethoden und Anforderungen des Gymnasiums kennen. In dieser Zeit sollten alle Möglichkeiten der individuellen Förderung in vollem Maße genutzt werden, um den Schüler:innen ein Fortsetzen ihrer Lernbiographie am Gymnasium zu ermöglichen. Mit der Unterstützung der Lehrkräfte sollten ihnen umfangreiche Förder- und Unterstützungsangebote unterbreitet werden, die eine Kultur des Behaltens fordern und fördern.
    Die Versetzungskonferenz, die zum Ende der Erprobungsstufe feststellt, dass die Schulform gewechselt werden muss, hat eine große Verantwortung, was den Verbleib bzw. den Wechsel des Kindes und die Konsequenzen für das Kindswohl betrifft.
    Vor dem Hintergrund, dass dies nicht die Zeit für Strukturdebatten ist, werden keine strukturellen Veränderungen vorgenommen. Vielmehr muss eine Bildungskommission aus Expert:innen im Konsens eine Novellierung des Schulsystems initiieren.

    Sigrid Beer, Grüne: Schülerinnen und Schüler, die an einer Schule aufgenommen werden, sollten i. d. R. bis zu einem ersten Schulabschluss geführt werden. Individuelle Schulwechsel aus pädagogischen Gründen in Einzelfällen regeln die Schulleitungen untereinander wie bisher.


    Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um die Schulsozialarbeit für die Bearbeitung der Folgen von Corona finanziell und personell auszubauen?

    Martin Sträßer, CDU: Wir sehen den steigenden Bedarf an Personal für Schulsozialarbeit und Schulpsychologie. Deshalb haben wir auch in diesem Bereich die Leistungen des Landes bereits massiv ausgebaut. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass in diesen Bereichen Unterstützung benötigt wird, um Schülerinnen und Schülern bedarfsgerechte Betreuung und Begleitung bieten zu können. Um für entsprechende Entlastungen zu sorgen, werden wir den Einsatz von Multiprofessionellen Teams weiter ausbauen.

    Martina Hannen, FDP: Damit Unterricht in unseren Schulen gelingen kann, brauchen wir nicht nur hervorragende Lehrkräfte. Andere Professionen wie Schulsozialarbeit, Sozialpädagogik, Schulpsychologie und viele weitere sind eine notwendige Unterstützung in unseren Schulen. Die Verteilung dieser Stellen soll verstärkt unter Anwendung des schulscharfen Sozialindexes erfolgen. In den letzten Jahren haben wir die multiprofessionellen Teams an allen Schulformen gestärkt und weiter ausgebaut und die Schulsozialarbeit dauerhaft gesichert und finanziert. Diese wollen wir zudem weiter ausbauen und dies mit Stellen im Landeshaushalt absichern und steuern.

    Jochen Ott, SPD: Für uns ist gutes und zufriedenes Personal das Fundament einer erfolgreichen Bildungspolitik. Wir brauchen dringend mehr multiprofessionelle Teams in den Schulen, die sich gegenseitig unterstützen und Kindern und Jugendlichen bessere Bildungschancen bieten. In diesem Zusammenhang werden wir die Schulsozialarbeit sichern und ausbauen. Derzeit gibt es mehrere Finanztöpfe, aus denen die Schulsozialarbeit finanziert wird. Das sorgt für Verwirrung, Unsicherheit und auch dafür, dass reiche Kommunen sich mehr Schulsozialarbeit leisten können. Durch ein neues, einheitliches Finanzierungsmodell werden wir für mehr Klarheit und Verlässlichkeit sorgen. Schulen brauchen klare Personalschlüssel und die Beschäftigten einen Tarifvertrag.

    Sigrid Beer, Grüne: Die Corona-Aufholprogramme sind ein bürokratisches Add-On. Die Mittel müssen unbefristet strukturell verankert zur Verbesserung der Rahmenbedingungen genutzt werden und können so auch zur verlässlichen Stärkung der Schulsozialarbeit dienen.


    Wann werden die Gutachten der Grundschule für die Aufnahme ins Gymnasium wieder verbindlich?

    Martin Sträßer, CDU: Nach entsprechender Beratung durch die Grundschule entscheidet der Elternwille über den weiteren Bildungsgang ihres Kindes. Wollen die Eltern ihr Kind an einer Schule einer Schulform anmelden, für die es keine und auch keine eingeschränkte Schulformempfehlung erhalten hat, nehmen sie während des Anmeldeverfahrens an einem Beratungsgespräch der weiterführenden Schule teil. Diese zusätzliche Regelung haben wir mit dem 16. Schulrechtsänderungsgesetz getroffen. Eine enge Begleitung der Eltern in dieser Phase ist uns sehr wichtig.

    Martina Hannen, FDP: Für Liberale ist dies eine schwere Entscheidung. Hier müssen wir den nachvollziehbaren Wunsch der Lehrkräfte gegen das hohe Gut des Elternwillens abwägen. Mit dem Masterplan Grundschule wurde hier eine Entscheidung getroffen. Es bleibt dabei, dass die Grundschulempfehlung nicht verbindlich sein wird. Dies führt sicherlich zu mehr Anmeldungen an unseren Gymnasien und zu mehr Schulwechseln am Ende der Erprobungsstufe, da sich weiterhin viele Eltern das Abitur für ihre Kinder wünschen. Gleichzeitig müssen wir aber auch feststellen, dass die Gutachten die Potenziale und Entwicklungen von Kindern nicht in jeden Fall richtig einschätzen.

    Jochen Ott, SPD: Grundschulklassenlehrer:innen begleiten ihre Schüler:innen meist über eine längere Zeit hinweg und erhalten somit ein vielschichtiges Bild des einzelnen Kindes. Sie entwickeln sich zu wichtigen Ansprechpartner:innen für die Sorgeberechtigten, mit denen sie über die gesamte Grundschullaufbahn vielfach im Austausch stehen - in Form von Infoabenden, ausführlichen Einzelgesprächen und auch Leistungsrückmeldungen. Die Eltern können so neben ihren eigenen intensiven alltäglichen Erfahrungen mit ihren Kindern, auch kontinuierlich und transparent auf die schulischen Eindrücke zurückgreifen und haben damit in der Regel den bestmöglichen Überblick die Gesamtentwicklung ihres Kindes.
    Zum Ende der Grundschulzeit intensiviert sich der Austausch zwischen Lehrkräften und Eltern gemäß § 8 der Verordnung über den Bildungsgang in der Grundschule zwangsläufig noch einmal. Zu Beginn des vierten Schuljahres erhalten alle Erziehungsberechtigten umfangreiche Informationen über die Bildungsgänge in den weiterführenden Schulen der Sekundarstufe I und das örtliche Schulangebot, um anschließend in einem gemeinsamen persönlichen Gespräch die ganz individuellen schulischen Perspektiven des:der einzelnen Schüler:in zu evaluieren, bevor die Grundschule mit dem Halbjahreszeugnis der Klasse 4 auf Basis der Leistungsentwicklung, der Lernentwicklung und der Fähigkeiten des:der Schüler:in abschließend eine begründete Empfehlung für die Schulform, die für die weitere schulische Förderung geeignet erscheint, abgibt. Die Eltern treffen schließlich auf einer breiten Grundlage an Daten, nach bestem Wissen und Gewissen, eigenverantwortlich und umsichtig eine Entscheidung mit ihrem Kind für ihr Kind. Das erachten wir als zeitgemäßen und vor allem schüler:innenorientierten Prozess.

    Sigrid Beer, Grüne: Nicht nur in einer Studie des Bundesministeriums wird dargelegt, dass die Klassenzusammensetzung, ethnische und soziale Herkunft einen größeren Einfluss auf die Grundschulempfehlung haben als die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. In einer aktuellen Studie wird beschrieben, dass durch die verbindlichen Empfehlungen mehr Stress bei den Kindern ausgelöst wird, verbunden mit Noten und Zukunftsängsten. Grundschulverbände selbst stehen aus diesem Grund der Verbindlichkeit von Empfehlungen sehr kritisch gegenüber und lehnen diese Aufgabe ab, gleichwohl muss eine gute und verbindliche Beratung der Eltern beim Übergang in die weiterführende Schule gewährleistet sein.


    Wie beurteilen Sie die Einflussnahme der Tech-Konzerne wie Apple, Google und Microsoft auf das öffentliche Schulsystem in NRW?

    Martin Sträßer, CDU: Schülerinnen und Schüler werden täglich im Alltag mit digitalen Medien und damit auch den damit im Zusammenhang stehenden Konzernen konfrontiert. Wichtig ist uns Vorteile von Technik aufzugreifen, die entsprechende Vermittlung von Medienkompetenz und ein kritischer sowie reflektierter Umgang mit Inhalten. Insofern ist der Nutzen der Technik, den private Tech-Konzerne gebracht haben, durchaus positiv zu bewerten. Er darf aber nicht zum ungeprüften Einfluss auf schulische Inhalte führen.

    Martina Hannen, FDP: Dies muss sehr differenziert betrachtet werden. Wir alle wollen, dass die Digitalisierung in unseren Schulen Einzug hält und die Politik stellt enorme Summen zur Verfügung. Dabei müssen wir aus meiner Sicht drei Ebenen betrachten: Die Hardware, die Software und das Thema Lehrerfortbildung. Im Kern geht es um den Vorwurf, dass Schulen unbeabsichtigt ihre Pädagogik auf das ausrichten, was Unternehmen wie Apple, Samsung und Co anbieten und sich in Abhängigkeit der Konzerne begeben. Im Bereich der Hardware ist es aus meiner Sicht wichtig, dass mit möglichst offenen Systemen gearbeitet wird. Kritischer sehe ich den Bereich der Software, da Lehrkräfte mit dieser Unterricht gestalten. Aus meiner Sicht ist es wichtig, den Schulen vor Ort einen verlässlichen Rahmen zu bieten, in dem sie Software selbstbestimmt auswählen können. Gleichzeitig stellt das Land mit den Produkten der Logineo Familie auch eigene Lösungen zur Verfügung, die von den Schulen kostenlos genutzt werden können. Der dritte Aspekt, die Fortbildungen, sehe ich unkritisch, wenn es um reine Anwendungsschulungen geht. Ich vertraue an dieser Stelle unseren Lehrkräften, dass sie digitale Elemente verantwortungsvoll und gezielt im Unterricht einsetzen und nicht nach einer Schulung/Zertifizierung durch ein Tech-Unternehmen den Unterricht nach den Vorstellungen des Unternehmens ausrichten. Insgesamt beurteile ich den Einfluss der Unternehmen auf unsere Schulen als nicht besonders kritisch. Dies heißt aber nicht, dass wir sorglos sein dürfen. Wir müssen die Entwicklung kritisch begleiten.

    Jochen Ott, SPD: Unsere Schulen stehen vor der Herausforderung der Digitalisierung und brauchen staatliche Unterstützung. Diese kommt aber nicht in dem Maße und in der Qualität, wie unsere Schulen sie benötigen. Weiterentwicklungen und allem voran Verbesserungen bei LOGINEO NRW kamen oft zu spät und viele Lehrkräfte wichen auf andere, funktionale Lernmanagementsysteme privatwirtschaftlicher Unternehmen um. Tech-Giganten wie Apple, Microsoft, Google oder Samsung konnten so an Einfluss in den Schulen gewinnen. Grundsätzlich ist es in unseren Augen problematisch, dass diese Tech-Giganten Bildung als Produkt sehen und Lehrkräfte selbst fortbilden oder gar „zertifizieren“. Die schwarz-gelbe Landesregierung hat hier nicht schnell genug reagiert, um die Hoheit in Bezug auf die Digitalisierung zu bewahren und Schulleitungen, Lehrer:innen wie auch Schüler:innen ein eigenes, zuverlässiges digitales Angebot zu unterbreiten – zur staatlichen Aufgabe gehört es hier auch gezielte Fortbildungsprogramme für Lehrkräfte anzubieten.

    Sigrid Beer, Grüne: Durch die Pandemie ist ein Schub in der Digitalisierung ausgelöst worden. Die Schulen haben in der Notsituation zu Systemen gegriffen, die eine umfassende Funktionalität bieten und funktionieren. Neben der Hardware konnten dadurch die großen Konzerne mit ihrem Softwareangebot Einzug in die Schulen halten, obwohl bei der Verwendung bestimmter Produkte offenbar eklatante Lücken bestehen bzgl. der Telemetrie- und Diagnosedaten bestehen, die sich mit der DS-GVO nicht vereinbaren lassen. Schülerinnen und Schüler, ihre Familien und Lehrkräfte werden so auch an Produktfamilien „gewöhnt“. In Nordrhein-Westfalen wird zu wenig auf den Schutz der Rechte und Freiheiten der Kinder und Jugendlichen sowie der Lehrkräfte geachtet, wenn es um die digitale Gestaltung des Unterrichts geht. Der Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts nach Art. 2 Abs. 1 GG dient bei der Verwendung von Programmen und Plattformen im Schulunterricht dem Schutz der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerinnen und Lehrer. Es ist oft nicht nachvollziehbar, welche personenbezogenen Daten wie und zu welchen Zwecken verarbeitet werden und ob diese wirklich auf das notwendige Minimum reduziert sind.
    Während z.B. der Thüringer Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, gängige in Schulen verwendete Software bewertet und entsprechende Empfehlungen zu ihrer Nutzung abgegeben hat. https://fragdenstaat.de/anfrage/prufungen-und-einschatzungen-zu-an-schulen-verwendeter-anwendungen/#nachricht-636164 lassen entsprechende Initiativen in NRW auf sich warten.
    Erst durch eine Anfrage über die Plattform „Frag den Staat“ wurden die Hinweise öffentlich. Die Liste legt nicht nur die Problematik von Anwendungen wie Microsoft 365 oder G-Suite-Education dar. Zahlreiche beliebte Lernapps kommen auf den Prüfstand. Dem Lehrpersonal in Thüringen bringt die Arbeit des Datenschützers die lange erhoffte Planungssicherheit beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Und die Softwareentwicklerinnen und -entwickler werden zukünftig wahrscheinlich dadurch vermehrt auf datenschutzkonforme Formate achten, wovon die Anwenderinnen und Anwender wiederum profitieren. Wichtig wäre für die Zukunft, eine solche White- und Blacklist direkt auf einer frei zugänglichen Plattform bundesweit bereitzustellen und regelmäßig zu aktualisieren. Nur so bleibt langfristig der Datenschutz bei digital begleitetem Schulunterricht im Fokus. Eine zentrale Stelle zur datenschutzrechtlichen Zertifizierung gemäß DS-GVO würde für die Anbieter einen Anreiz setzen, ihre Produkte mit einem solchen Label aufzuwerten. Die Verantwortlichen würden endlich in der schwierigen Aufgabe unterstützt, Datenschutz im Unterricht zu gewährleisten.


    Wie soll der Lehrkräftemangel insbesondere in den MINT-Fächer beseitigt werden?

    Martin Sträßer, CDU: Wir wollen den Unterricht in den MINT-Bereichen stärken und das Schulfach Informatik ausbauen und zum Abiturfach machen. In MINT-Fächern wollen wir mehr Lehrkräfte ausbilden und Quer- und Seiteneinsteigern die Qualifizierung erleichtern, um die MINT-Lehrkräfteversorgung sicherzustellen. Wir werden MINT-Bildungsstandards für den Sachunterricht definieren und umzusetzen. MINT-Bereiche müssen aber auch schon im vorschulischen Bereich eine größere Bedeutung gewinnen.

    Martina Hannen, FDP: Wir müssen den Lehrkräftemangel strukturell beheben. Mit insgesamt vier wirksamen Maßnahmenpaketen haben wir seit 2017 insgesamt über 5.600 Lehrerstellen an unseren Schulen zusätzlich besetzen können. Insgesamt arbeiten heute über 10.000 Menschen mehr an unseren Schulen, um den Lehrkräftemangel abzufedern. Diesen Weg wollen wir konsequent fortsetzen. Mit der Schaffung zusätzlicher Studienplätze und zusätzlicher Studienorte für angehende Lehrkräfte wollen wir in den kommenden fünf Jahren eine dauerhafte Beseitigung des Lehrermangels ermöglichen und im Interesse einer stärker regional angelegten Lehrkräfteausbildung im ganzen Land dafür sorgen, die Zahl der Studienplätze weiter erhöht wird. Mit den Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften wollen wir zudem Modelle der Lehrerausbildung für den Bereich der beruflichen Bildung entwickeln. Mit all diesen Maßnahmen wollen wir den Lehrkräftemangel insgesamt angehen und damit auch für eine bessere Versorgung gerade in den MINT-Fächern beitragen.

    Jochen Ott, SPD: Die Personalversorgung an den Schulen muss unverzüglich mit allen zur Verfügung stehenden Maßnahmen angegangen werden. Mit einer Personaloffensive wollen mir das mit oberster Priorität angehen: Die derzeitige Anzahl der Studienplätze an unseren Universitäten ist nicht auskömmlich, um den jetzigen noch den zukünftigen Personalmangel an unseren Schulen entgegenzuwirken, dies gilt insbesondere für die MINT-Fächer. Daher wollen wir, insbesondere für die MINT-Fächer und die Berufskollegs, auch die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) mit in die Lehrer:innenausbildung einbinden. Lehramtsstudierende benötigen zudem neben spezifischen Studienangeboten für das Lehramt, auch fachspezifische Beratung und gezielte Fördermaßnahmen, um die Abbruchsquote im Lehramt zu mindern.

    Sigrid Beer, Grüne: Lehrermangel ist eines der zentralen Probleme. Ein Strauß von Maßnahmen ist notwendig. Grundlegend muss die Attraktivität im Berufsfeld gesteigert und Karrieremöglichkeiten eröffnet werden. Das bedingt u.a. eine Neugestaltung im Laufbahnrecht und eine Neubewertung der Lehrerarbeitszeit mit der Anerkennung z.B. von Team-, Beratungszeiten, oder Schulentwicklungsaufgaben. Frühzeitig sollte für die Wahl mindestens eines MINT-Fachs in Studium geworben und Maßnahmen zur Reduzierung der Studienabbrecherquoten ergriffen werden. Die Hochschulen sollten dazu auch den personellen Ausbau der MINT-Fachdidaktiken vorantreiben.
    Bewährte, bereits bestehende Kooperationen der Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaft mit entsprechenden Qualitätsstandards in der Ausbildung sollten ausgebaut werden. Es wird weiterhin notwendig sein, qualifizierte Seiten- und Quereinsteiger zu gewinnen. Die notwendigen Ressourcen zur Begleitung müssen den Schulen zur Verfügung gestellt werden.